Erschreckende Zahlen: Alleine in Münster zwei Krebstote am Tag

MÜNSTER Rund um den Globus wird am Freitag (4. Februar) der jährliche “Weltkrebstag” begangen, um die schlimme Erkrankung und ihre verheerenden Folgen ins öffentliche Blickfeld zu rücken. Wie nötig das ist, zeigen die aktuellsten Daten des nordrhein-westfälsichen Krebsregisters: Die Zahl der Krebs-Todesfälle in Münster ist spürbar gestiegen.

Die Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-(MR)-Mammographie. Deutlich sichtbar ist ein winziger Tumor in der Brust einer Patientin. Alleine in Münster erkranken täglich vier Menschan an Krebs, zwei Menschen sterben jeden Tag daran. Das berichtet das NRW-Krebsregister. (Foto: dpa)

Die Bildschirmdarstellung einer Magnetresonanz-(MR)-Mammographie. Deutlich sichtbar ist ein winziger Tumor in der Brust einer Patientin. Alleine in Münster erkranken täglich vier Menschan an Krebs, zwei Menschen sterben jeden Tag daran. Das berichtet das NRW-Krebsregister. (Foto: dpa)

Laut Epidemiologischen Krebsregister (EKR) fielen von Januar bis Dezember 2008 367 Frauen und 377 Männer aus Münster dem Krebs zum Opfer. Insgesamt 74 Münsteraner mehr als ein Jahr zuvor, zwei Krebstote an jedem Tag.

Darüber hinaus erkrankten 1370 Münsteraner – 680 Frauen und 690 Männer – in diesem Zeitraum neu an der noch immer häufig tödlich endenden Zellkrankheit. Das sind fast vier neue Krebsfälle in Münster pro Tag. Hier waren die Zahlen im Vergleich zum Vorjahr zwar rückläufig, über einen Zeitraum von 15 Jahren stiegen sie allerdings an.

87-stellige Kombination

Jeder einzelne dieser Fälle wird vom EKR in Münster erfasst. Einzelschicksale kommen dort als 87-stellige Ziffernkombination an. Für den Laien sehen sie abstrakt aus. Doch dahinter verbergen sich Menschen mit teils tödlichen Krankheiten. Wolf Ulrich Batzler hat tagtäglich mit ihnen zu tun. Beim EKR, das vom Land mit der Erfassung sämtlicher Krebserkrankungen beauftragt wurde, ist der Wissenschaftler für die Auswertung der Daten zuständig.

Batzler weiß genau, dass die Kombination “C 62” für Hodenkrebs steht. Dass sich hinter Fällen, die mit “C 91” gekennzeichnet sind, Menschen mit Leukämie verbergen. Und er weiß, dass viele der Menschen, deren Daten anonymisiert auf seinem Bildschirm landen, den Tumor nicht überleben werden.

Der Strom an Datensätzen, die auf Batzlers Computer wandern, wird von Jahr zu Jahr größer. Seit 1996 geht das nun schon so. So lange arbeitet der Soziologe bereits bei verschiedenen Instituten an der Erfassung von Krebsfällen.

Die Gedanken bleiben

Wenngleich er keine Namen und keine Gesichter zu den Erkrankungen sieht, lässt ihn seine Tätigkeit nicht kalt. Noch immer kommt es vor, dass er abends zwar das Licht im Büro ausknipst, nicht aber die Gedanken an die Fälle, die er in den Stunden zuvor bearbeitet hat.

“Manchmal nehme ich einzelne Schicksale mit nach Hause”, gesteht er. Immer dann nämlich, wenn sich Betroffene selbst bei ihm melden und um Rat bitten. Dabei ist Batzler kein Arzt, mit medizinischem Rat kann er nicht dienen. “Ich versuche zu helfen, indem ich Adressen und Kontakte weiterleite”, sagt er und lässt es wie eine Selbstverständlichkeit klingen.

Seine eigentliche Aufgabe besteht indes darin, über die Entwicklung von Krebserkrankungen zu berichten und Wissenschaftlern Daten zu deren Erforschung zu übermitteln. Jüngst landete die Anfrage eines Gemeinderats auf seinem Tisch. Man wolle überprüfen, ob sich die geographische Nähe zum Atom-Zwischenlager in Ahaus in der Krebsstatistik der Gemeinde spiegelt.

Batzlers Daten helfen

Konkrete Aufgaben wie diese sind es, die Batzlers Job noch ein Stück angenehmer machen. Erst recht, wenn er – wie in diesem Fall – Entwarnung geben kann. “Es hat sich aus den Daten ergeben, dass die Zahl der Krebserkrankungen nicht über dem Landesdurchschnitt liegt”, berichtet der Wissenschaftler. “Die Menschen dort können, was das betrifft, beruhigt sein.” Er wirkt zufrieden, während er das sagt. Seine Daten konnten helfen.

Anlaufstellen und Adressen

  • Zentrum für Onkologie im Universitätsklinikum Münster: Domagkstraße 5, 48149 Münster, Telefon: (0251) 8347587, E-Mail: berdsek@uni-muenster.de
  • Krebsberatungsstelle Münster: Gasselstiege 13,48159 Münster, Telefon (0251) 62562010, Fax: (0251) 62562019, E-Mail: info@krebsberatung-muenster.de.
  • Gesprächs- und Aktionskreis für Krebsbetroffene, Ansprechpartnerin: Stefanie Stumpe, Mühlenstraße 15, 48351 Everswinkel, Telefon (02582) 9752, E-Mail: Stefanie@krebsbetroffene.de.

Quelle: Münstersche Zeitung vom 03.02.2011